SALOMÈ

SALOMÈ

- Libretto -

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so schön ist sie – so schön

der mond verheißt nichts gutes

gleicht der vollkommenheit die

stirbt in solchen nächten und

die juden streiten wieder und

wieder um des propheten bart doch

sie ist schön – wie immer und der

blick wirft das unglück auf

sich selbst zurück – laß ab davon

bleich wie weiße rosen ist sie

schön – ein unheil wird alsbald

geschehn – da ist die königin

eine mätze die dunkle seele

vergiftet ist ihr blick und schenkt

dunklen wein blutrot wie die

begierde die sie treibt des

bruders gattin einst und nun

teilt sie das bett der macht und

der durst nach blut erkauft die

ruhe ihrer nächte mit neuem blut

und wieder schrein die juden nach

dem gott der sich nicht erweisen

soll – stets sich verbirgt und so

sie meidet diese seelen – ortlos

seit rom sie duldet auf eignem

land – ein falsches leben wie das

der conductoren auch im falschen

die ankunft ist verschoben der

da kommen wird ist nicht gewollt

das volk nicht vorbereitet die

botschaft will niemand hören

und der prophet ist inhaftiert

die schönheit anzuschaun ist nicht

erlaubt von dem – der den könig

erdrosseln ließ – das ist ungeheuer

und auch ein könig hat nur einen hals

das sind ja schlimme zeiten allein

die jungfrau ist noch nicht besudelt

von heuschrecken und honig – vom

mangel ernähren sich gefährliche

gedanken und der der da kommt

hat einen schweren stand – blut

schweiß und tränen sind keine frohe

botschaft – niemand weiß wonach

ein volk sich sehnt – ein knecht

will er nicht auch den tod des herrn

für seine worte ist dein hirn

zu klein, von einer buhlschaft leihst

du deine sprache – das geht zu weit,

bedenke wer er ist - macht sie dir

angst deine herrin oder ist’s die

botschaft

wer ist der gefangene von uns

ER IST GEKOMMEN SEIN WORT

IST IN DER WELT

die lust der leiber raubt die sinne

der neuen herrscherin spielgefährte

hat unbegrenzten appetit

und kann den blick nicht lassen

von der tochter die spielt mit sich

und sucht nach anerkennung mit

gesten die sie von der mutter borgt

zu jung und von ihr unerkannt

ihr tun um sich der folgen

rechenschaft zu geben verlassen

von der obhut ihrer mutter

verläßt das fest und die neugier

treibt auf dunkle wege sie

zum kerker – wo der fremde ist

unaufhaltsam auf den anfang

vom ende der tragödie zu

wer schreit da so – ein prophet der

kam um das fest mit seinem auftritt

zu verderben – von der herrscherin

spricht er ungeheuerliche dinge

seine worte sind uns unverständlich

und mehr zu wissen ist nicht nötig

und was man wissen soll das sagt

die weisung – die gilt für alle

und damit auch für dich

ich will ihn sehn

die abweisung ist ungewohnt und

zugang verschafft das königskind

sich dann mit den attitüden

einer frau – die wirkung ist am

monarchen schon erprobt und

spielt das spiel dessen bedeutung

es noch nicht kennt und nun zu früh

schon zelebrieren lernte – dem

was es von der mutter abgeschaut

kann der soldat nicht lange widerstehn

die prinzessin steigt hinab und

der fremde mann verweigert das

interesse die versuchung ist

nur durch ein blickverbot zu halten

damit nicht sein kann was nicht

sein darf – geißelt der prophet

seine begierde und kann die

schwäche sich vor dieser kindfrau

nicht eingestehn – die ist

nicht vorbereitet auf solche

prüfung – ihr hochmut bekommt

erneute nahrung und voller

zorn altert sie erneut schneller

als es sein sollte – der preis

der nicht gestillten neugier wird

zum fatum für die ganze sippe

das mädchen will aufs fest zurück

der söldner steht im weg aufs neue

verzückt von liebestaumel bringt

er sie in verlegenheit und

vestellt den rückweg ihr mit

seiner hingabe die sie nicht

brauchen kann fast nach verhöhnung

schmeckt ihr seine gunst und nur

verachtung hat sie für ihn übrig

und flieht an einen andern ort

der soldat mit seiner order

bleibt auf seinem posten dort zurück

verstört sucht sie nach halt im

wirrwarr der nun entsicherten

gefühle und keine vertraute -

die mutter ist nicht da – leistet

beistand in ihrer lage und

soviel zuwendung verschafft ihr

ein seltsam noch ungekanntes

empfinden ihres körpers – halb

lust und halb befangenheit in

ihrer haut verlegen tastet

sie nach einer orientierung

zu steigern diese lust nach jener

wirkung die ihr soeben widerfuhr

den hausherrn treibt der hunger nach

verbotenem fleisch durch die nacht

und er vergißt ganz seiner obhut

pflicht als er das mädchen – mit sich

selbst beschäftigt – findet und läd

es ein der höhepunkt vom fest

zu sein und schenkt ihr einen großen

auftritt die kindfrau ahnt nichts von

dem hinterhalt dem bildbedarf

seiner gedanken und ist berauscht

von der offerte läßt sie sich

verführen im glanz der scheinwerfer

zu stehn der onkel ist bereit

zu zahlen jeden preis den das

mädchen fordert – den welchen sie

bezahlen wird ist ihr im rausch

von soviel macht nicht klar und sie

folgt willig seinem anerbieten

sie geht den nicht mehr umkehrbaren

verhängnisvollen schritt aus der

hülle ihrer kindheit in jene

welt die nicht die ihre ist und

weiß nicht was sie tut noch wer sie

ist nicht vorbereitet auf die

häutung die siebenfach ihr steht

bevor die kindheit stirbt im spiel

objekt einer projektion zu sein

die mutter kommt zu spät sie kann

den mann nicht hindern mit blicken

auszulöschen der tochter unschuld

noch ahnt sie – trunken wie sie ist -

die folgen falscher ehrfurcht vor

der macht – denn sich der macht über

den könig wahr geworden fordert

die tochter nun zum lohn den kopf

des propheten für den tanz und

die entbblößung wird zum bumerang

für den herrscher denn seine frau

besteht wie deren tochter auf

der erfüllung des vertrags den der

seiner geilheit schuldet und kein

stück von ihrer forderung rückt

das mädchen ab und auch die mutter

will zweifach nun bezahlt sehn ihre

schmach die ihr der fremde und der

eigne mann beigebracht in dieser

nacht der söldner bringt das haupt des

propheten und salomé spielt ganz

verzückt damit die folgen sind

ihr nicht ersichtlich wie sie

alles nur als spiel begreifen kann

als der soldat dann auch noch

vor ihren augen sich entleibt

verfällt sie in verwirrung und

schminkt sich mit dem blut und bleibt

verstört und haltlos dann zurück

die eltern haben‘s nicht so gewollt


Andreas Neu © 2003 Alle Rechte vorbehalten.